Julius Evola Daily

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Tag 88 — Die Grenze der Teilnahme

"Die Teilnahme an den Formen des Zeitalters muß durch das höhere Maß begrenzt bleiben. Jenseits eines bestimmten Punktes gebraucht der Mann die Strömung nicht mehr. Die Strömung gebraucht ihn." — Julius Evola, Den Tiger reiten

Jede Berührung mit den Kräften der Auflösung trägt das Risiko der Absorption. Das Risiko wächst mit der Intensität der Teilnahme und mit dem Grad der Identifikation. Der differenzierte Mensch setzt deshalb klare Grenzen. Er bestimmt im voraus, wie weit er in ein gegebenes Gebiet eintreten und unter welchen Bedingungen er sich zurückziehen wird. Diese Grenzen sind nicht willkürlich. Sie werden durch das bleibende Maß des Zentrums gesetzt.

Fehlen solche Grenzen, wird der Reiter zum Gerittenen. Die Techniken des Zeitalters, die Gelegenheiten, die es bietet, die bloße Energie seiner Beschleunigung beginnen, die Richtung des Lebens vorzuschreiben. Der Mann, der jene Kräfte gebrauchen wollte, findet, daß seine Tage, seine Aufmerksamkeit und zuletzt seine Orientierung von ihnen übernommen worden sind. Der Vorgang ist allmählich und oft unsichtbar, bis er fortgeschritten ist.

Die Grenze wird durch die regelmäßige Rückkehr in die innere Stellung gehalten. Nach Zeiten notwendiger Teilnahme gewinnt der Mann die Distanz zurück. Er prüft die Wirkungen der Teilnahme auf seine Klarheit und auf seine Fähigkeit höherer Unterscheidung. Wo die Wirkungen zersetzend sind, vermindert oder lenkt er die Teilnahme um. Diese Prüfung gehört zur aktiven Haltung.

Junge Männer, denen die Grenze fehlt, verbrennen entweder in totaler Immersion oder ziehen sich in eine Reinheit zurück, die sie unwirksam läßt. Was bleibt, ist gemessene Teilnahme. Das Maß ist die Bewahrung des Typus. Alles, was diese Bewahrung bedroht, unterliegt der Verminderung oder der Verweigerung, ungeachtet des unmittelbaren Vorteils, den es zu bieten scheint.

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