Das unbewegte Zentrum ist keine Stimmung und kein vorübergehender Entschluß. Es ist der Punkt im Mann, der an den Schwankungen der äußeren Umgebung nicht teilnimmt. Das Zeitalter ist durch ständige Bewegung bestimmt, durch die Forderung, daß jeder Mensch für Revision offen bleibe, für neue Reize, für den jeweils letzten Anspruch auf seine Aufmerksamkeit und seine Treue. Dagegen hält der differenzierte Einzelne einen festen Bezug. Dieser Bezug stammt aus dem höheren Prinzip, das in den früheren Tagen bereits behandelt wurde. Er ist vertikal. Er verhandelt nicht mit den horizontalen Drücken, die ihn neu definieren wollen.
In der Praxis erscheint dieses Zentrum als stille Verweigerung, in jede Strömung gezogen zu werden. Der Mann braucht die Verweigerung nicht zu verkünden. Er orientiert sich weiter am gleichen Maß, wenn die äußeren Formen erneut wechseln. Der lange Blick, der bereits besprochen wurde, trägt diese Beständigkeit. Ebenso die innere Hierarchie. Das Zentrum ist der Ort, an dem diese Elemente konkret und persönlich werden. Fehlt es, bleiben die vorigen Einsichten abstrakt und weichen schließlich der umgebenden Auflösung.
Junge Männer dieser Generation werden darauf trainiert, jede feste Stellung als verdächtig zu behandeln. Die Kultur stellt Beweglichkeit als höchste Tugend dar und jeden dauerhaften Maßstab als Starre oder Gewalt. Die Reibung hier ist wirklich. Der differenzierte Einzelne hält das Zentrum trotzdem. Er tut es ohne theatralische Rebellion und ohne das Bedürfnis, andere zu bekehren. Das Zentrum gilt zuerst ihm selbst. Sein Bestehen ist die Bedingung für jedes weitere Handeln, das nicht bloß Reaktion bleibt.
Die Arbeit, dieses Zentrum zu setzen und zu hüten, ist ununterbrochen. Das Zeitalter greift es durch Ablenkung an, durch die Abnutzung der Aufmerksamkeit, durch die ständige Suggestion, nichts sei des Festhaltens wert, weil alles vorübergehend sei. Der Mann, dem es gelingt, das Zentrum unbewegt zu halten, hat bereits begonnen, außerhalb des Zeitalters zu stehen, während er in dessen physischen und sozialen Räumen bleibt. Das ist der entscheidende Schritt des differenzierten Typus.