Innere Souveränität ist der praktische Ausdruck des unbewegten Zentrums. Sie bedeutet, daß der Mann den Sinn seiner eigenen Handlungen von innen her bestimmt. Das Zeitalter sucht ihm fertige Bedeutungen zu liefern: beruflicher Erfolg, soziale Billigung, politische Zugehörigkeit, die Jagd nach Sensation. Jede davon ist ein Anspruch auf seine Orientierung. Der differenzierte Einzelne gewährt ihnen keine letzte Autorität. Er bleibt derjenige, der entscheidet, woran sein Leben gemessen wird.
Diese Souveränität ist keine Freizügigkeit. Sie steht der modernen Idee der Freiheit als Abwesenheit von Grenzen entgegengesetzt. Der Mann, der über sich selbst souverän ist, ist enger gebunden als der Massenmensch, weil das Gesetz, dem er gehorcht, höher und strenger ist. Er fragt den wechselnden Konsens seiner Zeit nicht um Erlaubnis, einen Maßstab zu halten. Der Maßstab ist bereits da. Seine Aufgabe ist, ihn an sich selbst zu vollstrecken, ohne die Hilfe äußerer Strukturen, die diese Funktion einst für ganze Kasten und Orden leisteten.
Die Reibung mit der gegenwärtigen Schulung ist scharf. Junge Männer werden gelehrt, Identität sei flüssig, Werte seien persönliche Vorlieben, jede feste Selbstregierung sei eine Form der Unterdrückung. Der differenzierte Typus behandelt diese Lehre als Teil der Auflösung selbst. Er streitet lange nicht mit ihr. Er übt weiter die Souveränität aus, deren Möglichkeit die Lehre bestreitet. Damit zeigt er, daß die Möglichkeit noch besteht.
Innere Souveränität wird täglich in kleinen Entscheidungen der Aufmerksamkeit, der Rede, des Begehrens und der Arbeit geprüft. Jedesmal, wenn der Mann das höhere Maß über die leichtere Strömung setzt, bekräftigt er sie. Mit der Zeit wird die Gewohnheit zum Charakter. Charakter dieser Art ist die einzige noch verfügbare Form der Aristokratie in einer nivellierten Welt. Er kann nicht geerbt und nicht von Institutionen verliehen werden. Er muß genommen und gehalten werden.