Einsamkeit ist hier nicht die romantische Vereinsamung des Außenseiters, der nach Einschluß verlangt. Sie ist die strukturelle Folge der Differenzierung. Wenn die umgebende Welt das höhere Maß nicht mehr teilt, findet der Mann, der weiter nach diesem Maß lebt, immer weniger Punkte wirklicher Berührung. Die Mehrzahl der verfügbaren menschlichen Beziehungen bewegt sich auf einer anderen Ebene. Echter gemeinsamer Boden wird selten.
Diese Einsamkeit muß ohne Bitterkeit angenommen werden und ohne die ausgleichende Suche nach Ersatzgemeinschaften. Bitterkeit würde bedeuten, daß der Mann seinen Wert noch an der Anerkennung des Zeitalters mißt. Die Suche nach Ersatzgemeinschaften führt oft zurück in Formen der Zugehörigkeit, die dieselbe Nivellierung unter anderem Namen wiederherstellen. Der differenzierte Mensch behandelt die Einsamkeit als das gewöhnliche Klima seiner Existenz.
Innerhalb dieses Klimas bleiben begrenzte Beziehungen möglich. Sie werden mit Sorgfalt gewählt. Sie dürfen nicht zum Zentrum der Bedeutung werden. Die primäre Beziehung ist die, die der Mann zu dem höheren Prinzip hält, das er erkannt hat. Alle anderen Beziehungen sind nachgeordnet und werden nach ihrer Wirkung auf jene primäre beurteilt. Die meisten erweisen sich als unzureichend. Der Befund ist kein Anlaß zur Klage.
Junge Männer fürchten diese Einsamkeit oft mehr als jede andere Forderung des Weges. Das Zeitalter hat sie gelehrt, Isolierung mit Versagen gleichzusetzen. Der differenzierte Mensch lernt die entgegengesetzte Lektion. Die Fähigkeit, allein zu stehen, ohne in Selbstmitleid oder in fieberhafte Geselligkeit zusammenzubrechen, ist ein Zeichen von Rang. Sie ist zugleich die einzige Bedingung, unter der die innere Arbeit ohne ständige Unterbrechung durch die Ansprüche des Kollektivs fortgehen kann.