In den traditionalen Zivilisationen war Initiation ein wirklicher und geordneter Vorgang. Sie umfaßte Riten, Prüfungen und eine Überlieferung von Wissen, die dem gewöhnlichen Menschen nicht offenstand. Der Initiand empfing mehr als neue Tatsachen. Er durchlief einen Zustandswechsel. Er wurde fähig, an einer Wirklichkeit teilzunehmen, die über der gemeinen Welt von Geburt, Arbeit und Tod stand.
Die moderne Welt besitzt im öffentlichen Raum keine echten initiatischen Institutionen mehr. Was unter diesem Namen übrigblieb, ist entweder eine kommerzielle Nachahmung oder ein privater und oft unvollständiger Versuch. Der junge Mann, der einen Weg wirklicher Verwandlung sucht, steht darum unter einer anderen Bedingung. Die äußeren Stützen sind fort. Die Forderung lastet schwerer auf ihm selbst.
Der wesentliche Gehalt der Initiation bleibt erreichbar. Er besteht in der Anerkennung, daß ein höherer Seinszustand möglich ist, und in der planmäßigen Anstrengung, sich auf ihn zuzubewegen. Diese Anstrengung verlangt Zucht des Leibes, Klarheit des Geistes und die Weigerung, das gewöhnliche Selbst als letztes Maß zu behandeln. Der Weg ist innerlich. Formlos ist er darum nicht. Er antwortet noch auf eine Hierarchie der Qualitäten und auf ein Maß, das sich mit Stimmung und Mode nicht verschiebt.
Der Mann, der dies ernst nimmt, wird feststellen, daß das meiste, was das Zeitalter als Wachstum oder Selbstverbesserung anbietet, in die Gegenrichtung führt. Es vermehrt Erfahrungen und weicht die Ränder der Persönlichkeit auf. Die initiatische Richtung vermindert das Überflüssige und härtet das Wesentliche. Der Unterschied ist grob. Ist er einmal gespürt, wird der gewöhnliche Weg schwer zu gehen, ohne ein Gefühl des Verlustes.