Julius Evola Daily

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Tag 39 — Sakrale Autorität

"Sakrale Autorität ist die Autorität, die aus einem unmittelbaren Verhältnis zum Transzendenten stammt. Sie ist das Prinzip, das jede andere Form von Macht legitimiert und der politischen und sozialen Ordnung ihre letzte Rechtfertigung gibt." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

In der traditionalen Welt war die höchste Autorität sakral. Der König oder der Kaiser war mehr als ein politischer Funktionär. Er war der Berührungspunkt zwischen der menschlichen Ordnung und der göttlichen oder metaphysischen Ordnung. Auf dieser Berührung ruhte seine Legitimität. War die sakrale Dimension gegenwärtig, empfing die ganze Hierarchie ihren Sinn von oben.

Die moderne Welt hat dieses Verhältnis durchschnitten. Autorität wird nun durch den Volkswillen gerechtfertigt, durch geschichtlichen Erfolg oder durch technische Tüchtigkeit. Keine dieser Quellen kann den absoluten Charakter liefern, der einst der sakralen Autorität gehörte. Die Folge ist eine dauernde Instabilität. Jede Form von Macht bleibt angreifbar, weil keine von ihnen ein Fundament beanspruchen kann, das über menschlicher Übereinkunft steht.

Der junge Mann, der ein Maß sucht, das nicht vorläufig ist, findet auf der Ebene öffentlicher Autorität keines. Die Wiedergewinnung muß darum auf einer anderen Ebene beginnen. Der Sinn für das Sakrale läßt sich noch als innere Wirklichkeit bilden. Der Mann, der sich an einem transzendenten Maß orientiert, hat in seiner eigenen Person bereits die Bedingung wiederhergestellt, die die öffentliche Ordnung verloren hat.

Diese innere Wiederherstellung ändert die äußere Welt nicht sogleich. Sie ändert die Stellung, von der aus die äußere Welt bestanden wird. Der Mann, der unter einem sakralen Maß lebt, steht den rein horizontalen Kräften des Zeitalters nicht mehr voll zur Verfügung. Diese Unverfügbarkeit ist der Beginn einer anderen Freiheit.

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