Julius Evola Daily

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Tag 37 — Rang und Funktion

"Die traditionale Ordnung ruhte auf der Einsicht, daß verschiedene Menschentypen von Natur aus für verschiedene Funktionen taugen. Rang war die äußere Form eines qualitativen Unterschieds, kein willkürliches Vorrecht." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

In einer traditionsgebundenen Zivilisation galten die Menschen nicht als austauschbare Einheiten. Verschiedene Menschentypen besaßen verschiedene Vermögen und verschiedene Orientierungen des Geistes. Diese Unterschiede erhielten gesellschaftliche Form durch eine Struktur von Rängen und zugehörigen Funktionen. Die priesterliche, die kriegerische, die produktive und die dienende Rolle waren öffentliche Ausdrücke verschiedener Naturen. Berufe im heutigen Sinn waren sie erst in zweiter Linie.

Der geschichtliche Name dieser Struktur ist das Kastensystem. Das Wort ist mit modernen politischen Assoziationen beladen, das zugrundeliegende Prinzip bleibt klar: qualitativer Rang und funktionale Differenzierung. Wird dieses Prinzip geleugnet, folgt die Verwirrung der Rollen, das Eindringen niederer Typen in höhere Funktionen und der allmähliche Verlust der Tüchtigkeit, die jede Funktion einst verlangte.

Der moderne Geist behandelt jede feste Entsprechung zwischen Typus und Funktion als Verneinung der Freiheit. Die traditionale Sicht sieht das Umgekehrte. Freiheit der höheren Art ist nur möglich, wenn ein Mann gemäß dem gestellt wird, was er ist. Der austauschbare Einzelne, den man ohne Rücksicht auf Eignung von einer Rolle in die andere schiebt, ist nicht freier. Er ist den Kräften des Zeitalters nur verfügbarer.

Der junge Mann hat das Prinzip selbst wiederzugewinnen. Selbsterkenntnis beginnt hier: in der Unterscheidung des eigenen Typus und der Funktion, die ihm entspricht. Diese Unterscheidung wiegt schwerer als jeder äußere Titel. An ihr wird das hierarchische Prinzip konkret.

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