Der moderne Intellektuelle ist ein Typus, den das Zeitalter selbst geformt hat. Gedanken behandelt er als frei schwebende Tätigkeit, abgelöst von jedem höheren Maß und von jeder wirklichen Rangordnung. Seine Arbeit bleibt horizontal. Er zergliedert, kritisiert und ordnet das Material der Welt um, ohne je eine vertikale Dimension anzuerkennen, die ihn selbst richten würde.
Dieser Typus tritt unter vielen Namen auf: Journalist, Akademiker, Kommentator, fortschrittlicher Denker. Das gemeinsame Merkmal bleibt dasselbe. Er besitzt keine innere Hierarchie, darum kann er Hierarchie außerhalb seiner selbst nicht erkennen. Was er Freiheit nennt, ist meist nur die Verweigerung jeder Form, die etwas von ihm fordern würde. Was er Kritik nennt, wirkt oft nur als Lösungsmittel gegen das, was noch steht.
Ein junger Mann, der eine vertikale Orientierung behalten will, muß diesen Typus früh erkennen. Einzelne Irrtümer des modernen Intellektuellen sind zweitrangig. Die Gefahr liegt in seiner Haltung selbst. Diese Haltung ist bereits eine Kapitulation. Er hat die Voraussetzung angenommen, daß nichts Höheres befehlen darf. Ist diese Voraussetzung angenommen, folgt der Rest seiner Tätigkeit von selbst.
Weigere dich dieser Voraussetzung. Halte den Sinn für Rang. Dann lassen sich die geistigen Erzeugnisse des Zeitalters auf ihren begrenzten Nutzen prüfen, ohne daß ihnen je erlaubt wird, den Maßstab deines eigenen Lebens zu setzen.