Julius Evola Daily

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Tag 230 — Handeln ohne kollektiven Horizont

"Das Handeln behält seine Qualität, wenn es nach einem höheren Maß vollzogen wird, auch wenn keine kollektive Ordnung mehr bleibt, die dieses Handeln empfängt oder bestätigt." — Julius Evola, Den Tiger reiten

Handeln muß nun vollzogen werden ohne jeden kollektiven Horizont, der ihm einst Sinn gab. Der restliche Mann handelt weiter nach dem bleibenden Maß, auch wenn das Zeitalter keinen gemeinsamen Zweck und keine gemeinsame Anerkennung bietet. Die Qualität des Handelns bleibt im vertikalen Kriterium verwurzelt, nicht in den Ergebnissen, die das Zeitalter zu werten vermag.

Junge Männer, die noch sinnvolles Handeln suchen, suchen oft nach restlichen Ursachen oder restlichen Gemeinschaften, die ihrem Einsatz einen Horizont liefern. Die meisten dieser Ursachen sind bereits an die horizontalen Erfordernisse des Zeitalters angepaßt worden. Der restliche Weg wartet nicht auf solche Horizonte. Er setzt das Handeln vom inneren Maßstab aus fort, der verfügbar bleibt.

Dieses horizontlose Handeln ist die restliche Form des älteren traditionalen Handelns, das einst einer lebendigen Ordnung diente. Der Mann, der weiter nach dem bleibenden Maß handelt, vollzieht bereits die restliche Pflicht. Diese Pflicht wird nicht weniger wirklich, weil sie nicht mehr geteilt wird.

Handle ohne kollektiven Horizont. Warte nicht darauf, daß das Zeitalter Bedingungen wiederherstellt, in denen höheres Handeln öffentlich sinnvoll ist. Die restliche Tat ist, das bleibende Maß in jeder konkreten Entscheidung gegenwärtig zu halten. Diese Gegenwart ist die Kontinuität des höheren Typus unter restlichen Bedingungen.

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