Julius Evola Daily

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Tag 170 — Das sakrale Restliche

"Das Sakrale verschwindet nicht, weil die Formen, die es einst trugen, entleert worden sind. Es wird zur restlichen Möglichkeit, der der differenzierte Mensch von innen begegnen muß." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

Das sakrale Restliche ist die fortdauernde Gegenwart der höheren Dimension unter Bedingungen, die jede Form planmäßig entsakralisiert haben. Traditionale Gesellschaften orientierten die gesamte Ordnung auf das Sakrale. Das restliche Zeitalter hat das Sakrale auf private Vorliebe oder auf leeren Ritus reduziert. Die höhere Dimension selbst bleibt. Der restliche Mann nähert sich ihr ohne die Stütze lebendiger Formen und ohne die kollektive Bestätigung, die die Annäherung einst natürlich machte.

Die Annäherung ist innerlich und anspruchsvoll. Sie stützt sich nicht auf das Überleben von Einrichtungen, die bereits entleert worden sind. Sie stützt sich auf die Fähigkeit des Mannes, die Orientierung auf das bleibende Maß zu halten, auch wenn jede äußere Stütze entzogen worden ist. Diese Fähigkeit ist die restliche Form der sakralen Haltung.

Junge Männer suchen das Sakrale oft in nachgebauten Formen oder in theatralischen Gesten. Der restliche Weg verwirft beides. Das Sakrale unter restlichen Bedingungen wird nicht durch Nachahmung der Vergangenheit wiedergewonnen. Es wird durch die fortgesetzte Haltung einer vertikalen Orientierung in einem horizontalen Zeitalter wiedergewonnen. Der Mann, der diese Orientierung hält, lebt bereits die restliche Möglichkeit des Sakralen.

Nähere dich dem sakralen Restlichen durch die Haltung der vertikalen Orientierung. Warte nicht auf wiederhergestellte Formen. Der Mann, der die höhere Dimension unter restlichem Druck gegenwärtig hält, verwirklicht bereits das Prinzip, das traditionale Gesellschaften einst zum Zentrum ihrer ganzen Ordnung machten.

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