Julius Evola Daily

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Tag 128 — Das Unnötige

"Die Anhäufung des Unnötigen ist eines der hauptsächlichen Mittel, durch die das Zeitalter die Fähigkeit zu einer höheren Form des Lebens auflöst." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

Das Unnötige ist alles, was dem bleibenden Maß nicht dient und dennoch Zeit, Aufmerksamkeit, Energie oder Raum weiter besetzt. Es umfaßt Gegenstände, Gewohnheiten, Gespräche, digitale Kanäle und Verpflichtungen, die niemals unter dem höheren Maßstab geprüft worden sind. Der differenzierte Mensch räumt diese Anhäufung periodisch. Er tut es ohne das Drama einer totalen Säuberung und ohne die Sentimentalität, die jeden Besitz oder jede Verbindung für wesentlich hält.

Das Zeitalter vermehrt das Unnötige als selbstverständlichen Vorgang. Jede neue Bequemlichkeit, jede neue Verbindung, jeder neue Strom von Information fügt dem Mann einen Anspruch hinzu. Die meisten dieser Ansprüche werden stillschweigend angenommen. Das Ergebnis ist ein Leben, das voll ist und doch leer an der Fähigkeit zur vertikalen Orientierung. Der höhere Typus verweigert die stillschweigende Annahme. Er behält nur, was den Typus stützt, den er formt. Alles übrige darf abfallen.

Junge Männer werden darauf trainiert, den Verlust des Unnötigen als Entbehrung zu fürchten. Der höhere Typus erfährt die Räumung als Wiedergewinnung von Kraft. Jeder entfernte Anspruch gibt dem Zentrum einen Teil der Aufmerksamkeit und der Energie zurück. Der Vorgang ist fortlaufend. Er kommt nicht zu einem endgültigen Abschluß. Neues unnötiges Material erscheint mit jeder Woche. Die Verweigerung muß wiederholt werden.

Prüfe die gegenwärtige Last des Unnötigen. Entferne, was ohne Schaden für wirkliche Verantwortungen entfernt werden kann. Schütze den wiedergewonnenen Raum vor sofortiger Wiederbesetzung. Der Mann, der das Unnötige auf ein Mindestmaß zurückgeführt hat, bewegt sich mit größerer Freiheit innerhalb derselben äußeren Bedingungen. Diese Freiheit ist eine praktische Bedingung des differenzierten Lebens.

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