Julius Evola Daily

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Tag 343 — Das Sakrale ohne Tempel

"Das Sakrale ist eine Dimension der Wirklichkeit. Es hört nicht auf zu bestehen, weil die Tempel, die es einst beherbergten, verlassen worden sind." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

Das Sakrale ohne Tempel ist die Fähigkeit, eine Beziehung zum Höheren zu halten, nachdem jede öffentliche Wohnung des Sakralen geleert oder abgerissen worden ist. Tempel, Ritus und Priestertum machten das Sakrale einst sichtbar. Diese Formen sind ausgehöhlt oder durch Empfindung ersetzt worden. Die Dimension selbst bleibt. Der Mann steht entweder in Beziehung zu ihr, oder er lebt, als wäre die Welt nur Oberfläche.

Junge Männer, die das Sakrale noch spüren, suchen oft nach restlichen Tempeln und finden Ästhetik, Politik in Gewändern oder private Stimmung. Stimmung ist nicht das Sakrale. Der restliche Weg wartet nicht auf ein wiederhergestelltes Haus. Er behandelt bestimmte Akte, Grenzen und Schweigen als die verbleibenden Berührungspunkte mit einer höheren Ordnung.

Diese einsame Beziehung ist die restliche Form des älteren traditionalen Wissens vom Heiligen. Das Heilige war nie identisch mit dem Gebäude. Das Gebäude war eine Stütze. Der Mann, der Ehrfurcht, Grenze und vertikale Aufmerksamkeit hält, vollzieht bereits die restliche Tat. Er tut dies, ohne daß das Zeitalter an ihn glauben muß.

Halte das Sakrale ohne Tempel. Reduziere es nicht auf Gefühl und verschiebe es nicht, bis ein Ritus zurückkehrt. Die restliche Tat ist, bestimmten Stunden, bestimmten Entscheidungen und bestimmten Ablehnungen einen höheren Charakter zu geben. Dieser Charakter ist der letzte Tempel, den ein Mann noch bauen kann.

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