Julius Evola Daily

EN
← Tag 250 Tag 252 →

Tag 251 — Das ungebrochene Kriterium

"Das Kriterium, das einst eine ganze Zivilisation ordnete, bleibt unversehrt in dem Mann, der sich noch an ihm mißt, wenn jede äußere Form dieses Kriteriums verschwunden ist." — Julius Evola, Revolte gegen die moderne Welt

Das ungebrochene Kriterium besteht fort, nachdem jeder kollektive Maßstab, der es einst verkörperte, aufgelöst worden ist. Der restliche Mann mißt sich und sein Handeln weiter am bleibenden Maß, auch wenn das Zeitalter kein geteiltes Maß und keine Bestätigung seiner Autorität bietet. Das Kriterium selbst ist ungebrochen. Nur die öffentliche Ordnung, die es einst sichtbar machte, ist verschwunden.

Junge Männer, die noch das Bedürfnis nach einem festen Maßstab empfinden, suchen oft nach restlichen Institutionen oder restlichen Autoritäten, die das Kriterium für sie anwenden sollen. Die meisten dieser Institutionen haben den Maßstab bereits so angepaßt, daß er sich nicht mehr von den horizontalen Forderungen des Zeitalters unterscheidet. Der restliche Weg wartet nicht auf äußere Anwendung. Er wendet das bleibende Kriterium weiter aus dem inneren Zentrum an, das seine Kraft noch erkennt.

Diese einsame Anwendung ist die restliche Form des älteren traditionalen Maßes, das einst sowohl den Einzelnen als auch die Zivilisation ordnete. Der Mann, der das Kriterium gegenwärtig hält, erfüllt bereits die restliche Pflicht. Diese Pflicht wird nicht weniger wirklich, weil sie nicht mehr kollektiv ist.

Halte das ungebrochene Kriterium. Warte nicht darauf, daß das Zeitalter Bedingungen wiederherstellt, in denen höhere Maßstäbe öffentlich durchgesetzt werden. Die restliche Tat ist, das bleibende Maß in jeder konkreten Entscheidung wirksam zu halten. Diese Wirksamkeit ist die Kontinuität des höheren Typus unter restlichen Bedingungen.

← Tag 250 Tag 252 →