Julius Evola Daily

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Tag 166 — Qualität ohne äußere Hierarchie

"Die Qualität wird nicht aufgehoben, wenn die Strukturen fallen, die sie einst schützten. Sie wird zur restlichen Forderung, die der differenzierte Mensch allein beantworten muß." — Julius Evola, Den Tiger reiten

Qualität ohne äußere Hierarchie ist die restliche Bedingung des höheren Prinzips, wenn jede institutionelle Stütze der Qualität zusammengebrochen ist. Traditionale Gesellschaften betteten Qualität in Rang, Initiation und anerkannte Funktion ein. Das restliche Zeitalter hat diese Einbettungen nivelliert. Die Qualität bleibt. Sie hat nur kein gesellschaftliches Haus mehr. Der differenzierte Mensch wird ihre vorläufige Wohnstatt.

Die Forderung ist streng. Ohne äußere Hierarchie muß der Mann die Unterscheidung von Höherem und Niederem immer wieder aus dem eigenen Zentrum geltend machen. Keine Rangordnung trägt das Gewicht für ihn. Jeden Tag muß er erneut entscheiden, daß Qualität wirklich ist und daß er sich an ihr mißt. Diese Entscheidung ist die restliche Form der Hierarchie.

Junge Männer warten oft auf eine wiederhergestellte Ordnung, bevor sie das höhere Maß in Anspruch nehmen. Der restliche Weg gewährt dieses Warten nicht. Qualität muß unter den Bedingungen gelebt werden, die sie verleugnen. Wer auf äußere Hierarchie wartet, hat das Feld den horizontalen Kräften bereits überlassen. Wer Qualität ohne Stütze lebt, hat die restliche Wiedergewinnung bereits begonnen.

Beantworte die restliche Forderung nach Qualität unter den gegenwärtigen Bedingungen. Verschiebe die Antwort nicht, bis das Zeitalter sich ändert. Der Mann, der die Unterscheidung von Höherem und Niederem festhält, wenn jede Struktur nivelliert worden ist, verwirklicht bereits das bleibende Prinzip in restlicher Form.

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